Samstag, 13. Januar 2018

fabuloes als Buch


Nun gibt es »fabuloes« nicht nur als Blog, sondern auch als Buch und E-Book. Das Schönste aus den mehr als 1.300 Postings dieses Blogs themenorientiert zusammengestellt. Während der Blog nach wie vor gut zum stöbern ist, lädt das Buch zum schmökern ein. Natürlich wird der Blog weitergeführt. Fabeln, Parabeln und fabelhafte Beiträge gibt es noch genug.

Sonntag, 7. Januar 2018

Der Affe und der Zimmermann

Ein Affe, erzählt man, sah einen Zimmermann ein Stück Holz spalten vermittelst zweier Keile, indem er auf dem Holz rittlings saß. Das setzte den Affen in Erstaunen. Kaum war der Zimmermann nach einem anderen Geschäft fortgegangen, so erhob sich der Affe, und ergriff ein Geschäft, das nicht das seinige war. Er setzte sich nemlich rittlings auf das Holz, lehnte sich mit dem Rücken an den hintern Keil, und richtete sein Gesicht auf das Stück Holz. Da kamen seine Hoden in die Spalte zu hangen, und er zog den vordern Keil heraus und die Spalte klaffte zusammen. Da fiel er in Ohnmacht. Nach einiger Zeit kam der Zimmermann, und wie er den Affen an seiner Stätte sah, nahte er sich demselben und schlug ihn tüchtig durch. Die Schläge aber, die er von dem Zimmermann erhielt, verursachten ihm noch ärgere Schmerzen, als ihm das zusammenklaffende Stück Holz verursachte.

Calila und Dimna oder die Fabeln Bidpai’s.
Aus dem Arabischen von Philipp Wolff
Doctor der Philosophie, Privatdocenten der Orientalischen Literatur an der königl. Universität zu Tübingen, Mitlgiede der asiatischen Gesellschaft von Paris. 
Erstes Bändchen, 
J. Scheible’s Buchhandlung, 1837

Samstag, 6. Januar 2018

Die Musikanten

Ein Nachbar bat den andern einst zum Essen.
Doch war dabei noch List im Spiel:
Der Wirth hielt von Musik gar viel,
Und war darauf versessen,
Daß jener seine Sänger hört;
Jetzt wird ihm dieser Wunsch gewährt.
Die Burschen stimmen an, das geht durch Dick und Dünn,
Aus Leibeskräften schrein die Thoren,
Dem Gaste gellen schon die Ohren,
Es wird ganz schwindlig ihm zu Sinn.
»Erbarm dich doch«, so ruft er voll Verwirrung,
»Woran soll man denn da sich freun? Dein Chor
Brüllt Unsinn vor!«
– »Nun wohl«, versetzt der Wirth mit sanfter Rührung
»Ein wenig kreischen sie;
Doch dafür trinken sie auch Branntwein nie,
Und alle sind von bester Führung.«

Ich aber sage: trinke wohlgemuth,
Nur mach’ auch deine Sache gut.

Krylof’s sämmtliche Fablen
Aus dem Russischen übersetzt und
mit einer Einleitung begleitet
von Ferdinand Löwe
Leipzig: F.A. Brockhaus, 1874

Mittwoch, 3. Januar 2018

Das Einhorn in Paris


Fabelhafte phantastische Erzählungen gibt es in dem Buch "Das Einhorn in Paris".



Freitag, 29. Dezember 2017

Sieben Indische Sprüche

1.
Staub, der, mit dem Fuß getreten, auffährt und aufs Haupt dir steigt,
Ist dem Menschen vorzuziehen, der, beschimpft, sich ruhig zeigt.

3.
Wie Wind den Baum, den Lotus Frost, der Donnerkeil den Berg bedroht,
So leben vor dem Bösewicht die Guten, ach, in Angst und Noth.

12.
Den, welchem ohne eigens Mühn der Zufall etwas reicht,
Und den, der nichts beim Mühn erlangt, du findest sie nicht leicht.

51.
Gerieth ein Mensch in Mißgeschick, so kann ihm Leides thun ein Tropf.
Versank ein Elephant im Sumpf, so hüpft ein Frosch ihm auf den Kopf.

80.
Ein freundlich Wort, wenn Jemand zürnt, läßt seinen Zorn stracks höher wallen;
Das thun die Wassertropfen auch, wenn sie in heiße Butter fallen.

93.
Hüllt stets dich Armuth-Dunkel ein, dann wird bei hellem Tag sogar
Trotz aller Mühe Niemand dein, auch wenn du vor ihm stehst, gewahr.

109.
Das ist ein Wicht, der sich aus Furcht vor Schaden nichts zu thun getraut;
Stellt keiner doch das Essen ein aus Furcht, daß er es nicht verdaut.


aus: Indische Sprüche
Aus dem Sanskrit metrisch übersetzt von
Ludwig Fritze
Leipzig o.J. (ca. 1880)

Sonntag, 10. Dezember 2017

Die Weiberrevolution von Delft

Fabelhaft, wie unblutig eine Revolution ausgehen kann, besonders unter dem Gesichtspunkt, dass das erreicht wurde, was die Revolution bezweckte. Ob es daran gelegen haben mag, dass Frauen diese Revolution anfingen und bis zum Ende durchführten?


Ausführlich beschrieben wird dieser »Aufstand der Weiber« auf meiner Homepage.

Dienstag, 28. November 2017

Wintermärchen, gedruckt


Nun gibt es das »Wintermärchen« auch als gedrucktes Buch. Neben der Titelerzählung sind zwei weitere enthalten. Ein »Dieb« trifft in der Weihnachtszeit einen Jungen und diese Begegnung verändert sein Leben. In der »Antarktisverschwörung« ist Ruprecht verschwunden und keiner weiß wohin und warum. Bei der Suche nach ihm wird eine schreckliche Verschwörung aufgedeckt. Genau das richtige für alle Verschwörungstheoretiker und diejenigen, die es werden wollen.

Sonntag, 26. November 2017

Sagen und Legenden des Mittelalters


Bücher mit alten Sagen gibt es zu Hauf, meist kommentarlos zusammengestellt, manchmal mit einem erläuternden Vor- oder Nachwort. Dieses Sagenbuch ist anders. Die Sagen sind thematisch geordnet (Heldensagen - König Artus und Gralssagen - Sagen um Karl den Großen - Königs- und Kaisersagen - Rheinsagen - Burgensagen - Legenden), jede Gruppe wird eingeführt, jede einzelne Sage darüber hinaus noch durch Erläuterungen zu den Hintergründen kommentiert. Das Buch ist mit alten Abbildungen (s/w) illustriert und wird durch Farbtafeln auf Kunstdruckpapier ergänzt. All dies zu einem unschlagbaren Preis. Nicht nur als Geschenk geeignet, sondern auch zum selberlesen.

Freitag, 24. November 2017

Winterzeit - Vorlesezeit


Winterzeit ist Vorlesezeit und was bietet sich besser an, als ein echtes Wintermärchen.


Samstag, 18. November 2017

Die Schlange, die sich reiten lässt

Am Ufer eines Teiches in der Nähe einer Einsiedelei lag völlig regungslos eine alte Schlange, der es schwer fiel, Frösche zu erhaschen. Da kamen die Frösche bis auf respektvolle Entfernung heran und fragten; »Sag, warum frißest du uns nicht mehr wie sonst?« Die Schlange antwortete; »Ich kroch einem Frosche nach und biß in der Verwirrung einen Brahmanensohn in den Daumen. Er starb daran, und der Fluch seines Vater hat mich nun zum Reittier der Frösche bestimmt. Wie kann ich euch also fressen? Im Gegenteil, ich führe euch spazieren.« Als der Froschkönig dies gehört hatte, stieg er aus dem Wasser, denn er hätte gar zu gern das Reiten versucht; furchtlos kletterte er der Schlange auf den Rücken und war ganz außer sich vor Freude. Die Lust am Reiten machte ihn und seine Genossen ganz vertraulich. Eines Tages aber stellte sich die Schlange schwach und sagte heuchlerisch; »Ohne Nahrung, o König, kann ich nicht weiter geh’n; deshalb verschaff mir Speise! Wie kann ein Diener ohne Kost besteh’n?« Der Froschkönig, der ganz vernarrt ins Reiten war, versetzte drauf: »Nun, so friß eine bemessene Zahl von meinem Gefolge!« So fraß die Schlange nach und nach die Frösche nach Belieben auf, und der König, stolz umherreitend, merkte nichts und ließ es geschehen.

Indische Erzählungen
Aus dem Sanskrit zum erstenmal ins Deutsche übertragen
von Dr. Hans Schacht
Lausanne und Leipzig, 1918

Montag, 13. November 2017

Die Wunderharfe

Auf zwei hohen Bergen lebten einst in grauer Vorzeit zwei Eremiten (Yathay), die das Abkommen getroffen hatten, sich Lichter zu zeigen, um sich gegenseitig Kunde von ihrem Leben zu geben. Eines Nachts konnte der eine Eremit kein Licht auf dem andern Berge bemerken, und er schloß daraus, daß sein Freund das Zeitliche gesegnet habe und in den Stand der Dämonen (Nats) übergegangen sei. Bald darauf erhielt er auch einen Besuch von dessen Gespenst, und da er sich über die wilden Elephanten beklagte, welche ihn vielfach belästigten, eine Harfe zum Geschenk, durch deren Spielen er je nach der Melodie die Elephanten herbeiziehen oder vertreiben könne.

Eines Tages hörte er in der Wildniß das Gejammer eines Kindes, und als er darauf zuging, fand er, trostlos auf einem Baume sitzend, eine Königin mit einem Säugling im Arme. Sich im Hofe ihres Palastes sonnend, war sie durch den herbeischwirrenden Riesenvogel aufgepackt und aus dem Kreise ihrer jammernden Ehrendamen fortgeführt worden, um ihm in seinem Neste zur Speise zu dienen.

Der Eremit verbarg sie in seiner Einsiedelei und vermählte sich mit ihr; den königlichen Sohn, Oudinath, adoptirte er, mit der Wunderharfe ihn beschenkend. Einst im Dunkel der Nacht sah der Eremit einen der glänzendsten Sterne am Himmel sich plötzlich verdüstern und erkannte daraus, daß der große König, der Oudinath seinen Ursprung gegeben, sein Leben geendet habe, und der Sohn, davon hörend, beschließt in sein väterliches Reich zurückzukehren. Auf hohem Elephanten thronend, begleitet von den sämmtlichen Elephanten des Waldes, langt er vor den Thoren der Hauptstadt an, die er verschlossen findet, und das ganze Volk in Trauer, da dem Lande ein Herrscher fehlt. Durch die Wahrzeichen eines Ringes und Gürtels, welche seine Mutter ihm mitgegeben, wurde er als der Erbprinz erkannt und von den Edelleuten auf den Thron gehoben.

Zu jener Zeit erfüllte die Tochter eines Pana (Brahmanen) mit dem Rufe ihrer Schönheit die Reiche der Erde, und aus allen Gegenden strömten Bewerber um ihre Hand herbei, aber Niemand fand Gnade vor ihren Augen. Der Vater begegnete einst Myatzoa-Phaya (Buddha), und überwältigt von dem göttlichen Glanz seiner Herrlichkeit, dachte er in ihm einen passenden Schwiegersohn zu finden. Er bat ihn, in einem Hause zu warten, da er seine Tochter herbeibringen wollte, aber als er zurückkam, war sein Gast fortgegangen und hatte nur den Abdruck seines Fußes zurückgelassen. Die in der Kenntniß der Beden (Vedas) wohl unterrichtete Tochter erkannte aus den Figuren, daß es die Fußsohle des Gottes sei, und wurde von unbezwinglicher Sehnsucht ergriffen, sich ihm zu vermählen. Seinen Spuren nachgehend, holte sie Myatzoa-Phaya ein, dieser aber wies ihre Liebe zurück, da er auf dem Wege nach Baranasi (Benares) war, um dort den Thron zu besteigen, und Überfluß an Frauen ihn schon erwartete. Die verschmähte Schöne traf im Walde mit Oudinath zusammen, und jetzt weniger wählerisch geworden, erlaubte sie ihm, sie als seine Königin sich zur Seite zu setzen.

Nun geschah es, daß ein benachbarter König, der Oudinaths Zauberinstrument zu besitzen suchte, auf eine List sann, ihn in seine Gewalt zu bekommen. Er läßt die große Figur eines weißen Elephanten aus Holz verfertigen und mit Soldaten gefüllt in den Wald stellen. Als Jäger an Oudinath berichten, ein Thier höchster Vollkommenheit gesehen zu haben, zieht dieser aus, um dasselbe zu fangen. Aber zum ersten Male versagen die Töne der Harfe ihren Dienst. Statt zu folgen entfernt sich der Elephant, und Oudinath, überrascht und verwundert, verfolgt ihn so eifrig auf seinem Pferde, daß er bald von seinem Jagdgefolge getrennt ist. An einer versteckten Stelle des Waldes springen die Soldaten aus dem Bauche des Elephanten hervor und führen Oudinath als Gefangenen zum König. Dieser verlangt die Mittheilung seiner magischen Geheimnisse, kann aber die hartnäckige Verschwiegenheit Oudinaths nicht besiegen, da selbst Todesandrohungen fruchtlos, blieben. Zuletzt erbietet er sich, als Bedingung der Freiheit, ein Sklavenmädchen darin zu unterrichten; der König aber substituirt seine eigene Tochter, die er hinter einen Vorhang stellt und ihr sagt, daß sie von einem weisen Manne unterrichtet werden würde, der aber körperlich ein abschreckendes Scheusal und aussätzig sei. Als während des Unterrichtes Oudinath sie ausschilt, weil sie nicht rascher begreife, schmäht sie auf ihn als einen Aussätzigen zurück. In der Lebhaftigkeit des Zankes wird der Vorhang beiseite geschoben, Beide erblicken sich und verlieben sich sterblich in einander aus Wahlverwandtschaft, da sie schon in einer frühern Existenz Gatte und Gattin gewesen. Sie entwerfen einen Plan und theilen dem Könige mit, daß zur Ausführung der Zauberceremonien Blätter eines fremden Baumes nöthig seien. Darnach ausgeschickt, entläuft die Prinzessin, welche die Wachen des Gefangenen fortgesendet hat, mit ihm nach seinem Reich, und sie wurde ihm als die erste Königin vermählt. Die dadurch eifersüchtige Brahmanin benützt eine Abwesenheit des Königs, um eine zwischen Blumen versteckte Schlange auf den Thron zu stellen und die Königin des Verraths zu beschuldigen. Die Minister, welche die hervorzüngelnde Schlange sehen, erkennen sie für schuldig, und die Brahmanin, der sie zur Hut übergeben ist, verbrennt sie in einem durch Teppiche verhängten Hofe des Palastes.

Als der König bei seiner Rückkehr davon hörte und den Zusammenhang der Sache erfuhr, gerieth er in den größten Zorn. Er läßt das ganze Geschlecht der Pona herbeiholen, sie auf einem Felde eingraben und dann ihre Köpfe abpflügen. Für die Ponatochter selbst aber wird die grausamste Strafe ausgesonnen. In dem obersten Gemache des Palastes eingeschlossen, wird ihr jeden Tag ein kleines Stück ihres Fleisches abgeschnitten, vor ihren Augen in ein Ragout gemischt und ihr zum Essen eingezwängt, um die Pein zu verlängern; aber während dieser ganzen Zeit betet die Ponatochter täglich zu Myatzoa-Phaya, den sie durch ein kleines Loch aus dem Dache ihres Gefängnisses über sich am Firmament umherwandeln sieht. Daß die Ponatochter, obwohl sie so eifrig Myatzoa-Phaya verehrte, diese schmerzliche Strafe ausdulden mußte, war die Folge einer in früherer Existenz begangenen Sünde. Als sie einst aus dem Bade hervorkam, und der Tag etwas kühl war, machte sie sich Feuer an im Walde. Durch die zurückgebliebenen Kohlen entstand nach ihrem Fortgehen ein Waldbrand, und ein heiliger Rochanda, der, in Meditation versunken, im Walde saß, wäre fast verbrannt, wenn er nicht, durch die Fähigkeit zu fliegen, in die Höhe gestiegen und entkommen wäre.Di

Bastian, Adolf
Erzählungen und Fabeln aus Hinterindien
In: Globus, Juli 1866, S. 82-83

Sonntag, 6. August 2017

Großmuth eines wilden Indianers

Ein wilder Indianer, welcher sich auf der Jagd verirrt hatte, wendete sich zu einem englischen Kolonisten, den er vor seiner Hausthüre antraf. Er bath den Kolonisten zuerst um ein Stück Brod, und da er dieses von ihm nicht erhalten konnte, ersuchte er ihn um einen Trunk Bier oder Wasser. Allein der gesittete Kolonist schlug ihm beydes ab, und schalt ihn noch dazu einen indianischen Hund mit dem Zusatz: was er sich unterstehe, einen Mann wie er wäre, zu beunruhigen? – Einige Monate darnach kam der Kolonist in eben denselben Fall, worin der Indianer vorher gewesen war, da er mit seinen Freunden auf die Jagd ging, und sich verirrte. Er sah sich also genöthigt, einen Wilden, welchem er begegnete, um Beystand anzuflehen und zu bitten, ihm den Weg nach seinem Hause zu zeigen. Der Wilde sagte ihm: es sey zu spät, dahin zurückzukehren, und lud ihn ein, mit ihm nach seiner Hütte zu kommen. Der Kolonist nahm die Einladung an, und als er in der Hütte des Wilden angekommen war, setzte ihm dieser sogleich Wildpret und einige Erfrischungen vor, und bereitete ihm eine Haut, um darauf zu schlafen. Beym Anbruch des Tages unterließ der Indianer nicht, seinen Gast nach Hause zu begleiten. Als er ihn nun nach Haus gebracht, fragte er den Kolonisten: ob er sich nicht erinnern könne, ihn schon einmal gesehen zu haben? – Der Kolonist betrachtete auf diese Frage den Wilden etwas genauer, und erkannte in demselben eben den Indianer, dem er vor einiger Zeit Brod und Wasser abgeschlagen hatte. Mit großer Beschämung erkannte und bekannte er aber auch sein damaliges schlechtes Betragen. – Der Indianer machte ihm aber weiter keine Vorwürfe deßwegen, sondern wünschtr ihm alles Wohlergehen, und ging weg.

Gold und Silber
dargebracht in kleinen
Erzählungen, Anekdoten, Gedichten und Fabeln
für Knaben und Mädchen
von guter Erziehung
Herausgegeben von J. Ch. Birnbach
Wien, 1824